Evidenzbasierte Entwicklungszusammenarbeit:
Mehr Wirkung dank wissenschaftlicher Forschung

Positionspapier der Stiftung für Effektiven Altruismus (Juni 2017)

Trotz der beispiellosen wirtschaftlichen und technologischen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte lebt noch immer rund jeder zehnte Mensch in extremer Armut – eines der dringlichsten ethischen Probleme unserer Zeit. Deutschland und die Schweiz geben jedes Jahr Milliardenbeträge für die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) aus, um für diese Menschen Perspektiven zu schaffen. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass beide Länder sowohl äußerst effektive als auch praktisch wirkungslose Projekte finanzieren. Dieses Papier führt in die empirische Forschung zur EZ ein und leitet daraus Empfehlungen ab: Besonders wirkungsvolle Projekte sind zu fördern, wenig wirksame Projekte sollten beendet werden. Evaluierungen sind vermehrt als Wirkungsstudien durchzuführen und sollen wissenschaftliche Forschungsstandards erfüllen; hierfür sind zusätzliche finanzielle Mittel bereitzustellen. Deutschland und die Schweiz sollten sich internationalen Forschungsprojekten zur Wirkungsmessung anschließen. So würde das Vertrauen der Wähler/innen in die EZ gestärkt und zahlreichen Menschen könnte besser geholfen werden.

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Bevorzugte Zitierweise

Vollmer, J., Pulver, T. und Zimmer, P. (2017). Evidenzbasierte Entwicklungszusammenarbeit: Mehr Wirkung dank wissenschaftlicher Forschung. Positionspapier der Stiftung für Effektiven Altruismus: 1-15.

Über uns

Die Stiftung für Effektiven Altruismus (EAS) ist ein politischer Think-Tank, der ethische Probleme wissenschaftlich fundiert angeht. Die globale Bewegung des Effektiven Altruismus orientiert sich an der Frage, wie wir globale Probleme mit unseren begrenzten Mitteln bestmöglich angehen können. Die EAS setzt sich insbesondere für eine wirkungsorientierte Entwicklungszusammenarbeit ein: Mit der Unterstützung von Fachleuten aus Ökonomie, Politikwissenschaft und Philosophie sowie Experten/innen aus der entwicklungspolitischen Praxis hat unser Team das vorliegende Positionspapier verfasst und eine städtische Volksinitiative eingereicht, die fordert, dass die Stadt Zürich künftig mit einem Prozent ihres Budgets hochwirksame Hilfswerke unterstützt. Mehr über uns.


Präsentation: Für eine effektivere staatliche Entwicklungszusammenarbeit – EA Global X Berlin 2016

Empfehlungen

Auszug aus der Executive Summary des Positionspapiers

Deutschland und die Schweiz engagieren sich bereits in zahlreichen hochwirksamen Bereichen, unterhalten jedoch auch einige Projekte, die gemäß der aktuellen wissenschaftlichen Forschung praktisch wirkungslos sind. Basierend auf den bereits verfügbaren Forschungsergebnissen empfehlen wir folgende Schritte zur Verbesserung der Wirksamkeit der EZ:

Empfehlung 1: Stärkere Priorisierung von Projekten mit herausragender Kosteneffektivität. Kostengünstige Programme mit hoher Wirksamkeit sind systematisch zu fördern, insbesondere im Gesundheitsbereich. Die Priorisierung von Programmen aufgrund ihrer Kosteneffektivität sollte als strategisches Ziel festgeschrieben werden. Deutschland und die Schweiz engagieren sich bereits in zahlreichen hochwirksamen Projekten, beispielsweise in der Malariaprävention – diese Engagements sind weiter auszubauen. Unterfinanzierte Bereiche mit großem Wirkungspotenzial sind verstärkt zu fördern, etwa Programme zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten, Mikronährstoff-Initiativen und direkte Geldtransfers.

Empfehlung 2: Frühzeitiger Abschluss nachweislich unwirksamer Programme. Sowohl Deutschland als auch die Schweiz unterhalten Mikrokreditprogramme, deren Wirksamkeit direkten Geldtransfers, zielgerichteten Gesundheitsprogrammen oder anderen Mikrofinanzprodukten deutlich unterlegen ist. Diese und andere nachweislich unwirksame Programme sollten möglichst schnell beendet werden. In Wirkungsstudien können direkte Geldtransfers als Vergleichsmaßstab eingesetzt werden. Wenn eine Evaluierung ein schlechtes Ergebnis aufzeigt, ist dies als wichtiger Lernerfolg zu werten, dank dem finanzielle Mittel in anderen Projekten wirkungsvoller eingesetzt werden können.

Empfehlung 3: Vermehrter Einsatz von Evaluierungen und Definition höherer Qualitätsstandards. Die aktuell verwendeten Evaluierungen erfüllen wissenschaftliche Qualitätsstandards teilweise nur ungenügend: Oft werden die Ergebnisse eines Programms nicht mit einer Kontrollgruppe verglichen, was dazu führt, dass deren tatsächliche Wirkung nicht ermittelt werden kann. Es sind hohe Qualitätsstandards festzuschreiben, die mit akademischen Forschungsstandards vergleichbar sind. Es sollten mehr hochwertige Wirkungsstudien durchgeführt werden; die Qualität von Evaluierungen ist höher zu gewichten als deren Quantität. Die notwendigen Fachkompetenzen können auch extern bei spezialisierten Organisationen eingeholt werden. Eine Modernisierung der Umfragetechnologie würde neben Kosteneinsparungen auch präzisere Ergebnisse mit sich bringen. Sämtliche Ergebnisse sind öffentlich zu publizieren; so können sie unabhängig geprüft und global genutzt werden.

Empfehlung 4: Umfangreichere Nutzung wissenschaftlicher Forschungserkenntnisse. Eine Auseinandersetzung mit Wirkungsstudien findet in der deutschen wie schweizerischen EZ bereits statt, ist jedoch nicht zentraler Bestandteil des Projektplanungsprozesses. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse sind in allen Prozessen, Plänen und Evaluierungen zu berücksichtigen. Evidenzbasierte Methoden sollten in allen Projektphasen zum Tragen kommen. Weiterbildungen können das methodische Know-how verbessern und für größere Projekte kann ein wissenschaftlicher Beirat gebildet werden. Projekte sind hinsichtlich ihrer Wirkung zu evaluieren, bevor sie zusätzliche Ressourcen erhalten oder langfristig fortgeführt werden.

Empfehlung 5: Zusätzliche finanzielle Mittel für Forschung und Evaluierung. Da bereits kleine Investitionen in qualitativ hochwertige Evaluierungen massive Wirkungssteigerungen ermöglichen, sollen größere Prozentsätze der Projekt- und Gesamtbudgets den Evaluierungen und der wissenschaftlichen Forschung zugute kommen. Bestehende Forschungs- und Innovationsprogramme können ausgebaut werden. Zusätzlich sollten sich Deutschland und die Schweiz internationalen Forschungsprojekten anschließen, insbesondere der International Initiative for Impact Evaluation (3ie) und dem Global Innovation Fund. Damit könnten sie dazu beitragen, dass die EZ aller Akteure wirksamer wird.

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