Wir verbringen rund 80 000 Stunden unseres Lebens bei der Arbeit. Diese Zeitinvestition ist sowohl aus persönlicher wie auch aus altruistischer Perspektive von enormer Bedeutung. Es lohnt sich daher, viel Zeit in die eigene Berufswahl zu investieren.

In der Schule und an der Universität verfasst man zwar zahlreiche Hausarbeiten zu allerlei Themen, aber keine einzige zu den Fragen:

  • Welche Ziele will ich mit meiner Berufswahl genau erreichen?
  • Wie gehe ich dafür am besten vor?
  • Welche Informationen können mir darüber Auskunft geben?

Angesichts der 80 000 Stunden, die auf dem Spiel stehen, gehören diese Fragen vielleicht zu den wichtigsten überhaupt. Befasst man sich systematisch mit der leidmindernden Wirkung verschiedener Berufswege, stößt man nicht selten auf Optionen, die eine vielfach höhere Wirkung versprechen. Daher sollte die Berufswahl mindestens so fundiert und wissenschaftlich informiert angegangen werden wie auch andere Forschungsfragen. In der akademischen praktischen Ethik hat sich in jüngerer Zeit die “Berufswahlethik” als Teilsdisziplin herausgebildet. Einen Überblick über die ersten Resultate geben diese Vorlesungsfolien sowie der folgende Vortrag:

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Persönliche Daten


Lebenslauf

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Berufswege

Eine hilfreiche Einteilung möglicher Berufswege lautet wie folgt:

Beispiele: NGO-Tätigkeit, politisch-gesetzgeberische Arbeit, unmittelbare Hilfe (z.B. Medizin).

Altruistische Direktarbeit ist das, was unmittelbar geleistet werden muss: Die Ärztin, die eine Blutung stillt, der Politiker, der ein wegweisendes Gesetz auf den Weg bringt, und die Logistikerin, die sicherstellt, dass Hilfslieferungen an ihrem Ziel ankommen. Ohne diese Berufe und Tätigkeiten würde sich nichts verändern in der Welt.

Ein möglicher Nachteil ist jedoch die sogenannte “Ersetzbarkeit”: Auf entsprechende Stellen bewerben sich oft mehrere ähnlich kompetente Personen; bei begehrten Stellen teilweise Tausende. Daraus folgt mit einiger Wahrscheinlichkeit, dass die entsprechende Arbeit in jedem Fall – bzw. nur marginal schlechter – geleistet werden würde. Das verringert die tatsächliche bzw. kontrafaktische Wirkung, wenn man eine solche Stelle annimmt. Die ökonomische Analyse dieses Sachverhalts ist im Detail aber sehr komplex.

Neben den oben genannten offensichtlichen Möglichkeiten der Direktarbeit gibt es noch die Option, sich innerhalb der Bewegung des Effektiven Altruismus zu engagieren. Mittlerweile gibt es hier einige stark wachsende Organisationen, die aber noch weniger bekannt sind und daher oft nach gut qualifizierten Menschen suchen. Dadurch ist diese Form der Direktarbeit meist schwerer ersetzbar. Auch die Stiftung für Effektiven Altruismus sucht beispielsweise oft nach gut qualifizierter Verstärkung für das Team.

Beispiele: Universitäre Forschung, öffentliche Forschungseinrichtungen, unabhängige Forschungsinstitute, Thinktank Arbeit.

Alle aktuellen Prioritäten innerhalb der Bewegung des Effektiven Altruismus sind noch relativ junge wissenschaftliche Felder. Daher ist hier Forschung besonders wichtig und Einzelne können noch große Fortschritte erziehen. Vor allem im Bereich des effektiven Tierrechtsaktivismus sowie in der Erforschung von Zukunftstechnologien und ihrer Sicherheit besteht noch großer Bedarf. Aktuell findet diese Forschung meist außeruniversitär statt (z.B. MIRI oder ACE). Jedoch gibt es u.U. auch gute Gelegenheiten diese Probleme akademisch anzugehen bzw. überhaupt erst als relevante Forschungsfelder zu etablieren.

Hinzu kommt spezifische EA-Priorisierungsforschung und -Grundlagenforschung: Welche ethischen Grundannahmen sollte der Effektiven Altruismus sinnvollerweise machen? Was lässt sich über die relative Effektivität der Problembereiche selbst aussagen? Welche Maßnahmen sind im Bereich EA-Kommunikation/-Bewegungsförderung besonders zielführend? Schließlich: Woran sollte in der Forschung prioritär gearbeitet werden und wie effektiv ist der Forschungsbereich relativ zu den anderen Optionen.

Auch wer eine wissenschaftliche Karriere in Betracht zieht, muss sich mit möglicher Ersetzbarkeit auseinandersetzen: Für die allermeisten (einschließlich vieler Nobelpreisträger/innen) gilt, dass die Erkenntnisse und Technologien, die auf sie zurückgehen, von anderen entwickelt worden wären, wenn sie selbst sich anderen Tätigkeiten gewidmet hätten. Man kann entgegnen, dass die Erkenntnisse und Technologien dann aber erst später erforscht worden wären. Ein “unersetzbarer” Forschungsbeitrag besteht demnach darin, dass bedeutsame wissenschaftliche Resultate früher verfügbar sind, was in der Tat Millionen Opfer verhindern kann. Solche unersetzbaren Leistungen werden jedoch meist von Menschen mit herausragenden Forschungsfähigkeiten erbracht, die statistisch wohl nur sehr wenigen vergönnt sind.

Das setzt natürlich voraus, dass an der eigenen Stelle jemand mit ähnlichen Qualifikationen dieselbe Arbeit machen würden. In einigen Bereichen ist dies aber nicht unbedingt der Fall: Vor wenigen Jahren konnte man beispielsweise die Forscher/innen, welche die Sicherheit der künstlichen Intelligenz (KI) zu optimieren versuchen, praktisch an einer Hand abzählen, während sich Tausende um die Weiterentwicklung der KI-Kapazitäten kümmerten. Ähnliches gilt für die Tierrechtsbewegung, EA-Priorisierungsforschung und andere Grundlagen des Effektiven Altruismus. Gleichzeitig sind diese Felder auch von enormer Relevanz, weil neue Erkenntnisse hier mögliche Aktivitäten eröffnen, die einen zehn- oder gar hundertmal höheren Effekt versprechen. Wer zu diesen Fragen einen guten Beitrag leisten kann, wird wahrscheinlich wichtige Erkenntnisse beschleunigen, die die Richtung des Effektiven Altruismus nachhaltig beeinflussen werden.

Beispiele: NGO-Tätigkeit bei einer EA-Organisation, Journalismus, Autor, politische Arbeit und Kommunikation.

Wenn wir sowohl Direktarbeit als auch Forschung brauchen, um effektiv helfen zu können, so braucht es auch Menschen, die anderen dazu bewegen, solche Tätigkeiten anzustreben. Das ist eine dritte Art seine Wirkung zu maximieren. Wenn man mehrere Personen davon überzeugen kann, Direktarbeit zu leisten oder an wichtigen Fragestellungen zu forschen, kann man seine Wirkung gar vervielfachen.

Direktarbeit und Kommunikation schließen sich dabei selbstverständlich nicht gegenseitig aus: Wer auf wegweisende Art und Weise Menschen unmittelbar hilft, kann ein wichtiges Vorbild für andere sein und sie inspirieren, ihr Leben altruistisch einzusetzen. Wer Gesetze auf den Weg bringt, hat meistens auch eine mediale Plattform, um Menschen davon zu überzeugen, Gutes zu tun.

Die mögliche Ersetzbarkeit der eigenen Arbeit ist hier stark vom Einzelfall abhängig. Nicht nur haben journalistische oder publizistische Karrieren häufig eine Plattform mit besonders hoher Reichweite und Legitimität, sondern sie würden auch sonst nicht genutzt werden, um dieselben Ideen zu verbreiten. Anders verhält es sich u.U. mit Stellen, die bereits darauf ausgelegt sind, andere vom Effektiven Altruismus zu überzeugen.

Beispiele: Softwareentwicklung, juristische Berufe, Medizin, Berufe im Finanzbereich, Pilot, Beratung, Start-up Gründung.

Unter professionellem Spenden versteht man die gezielte Wahl finanziell lukrativer Berufswege – nicht um reich zu werden, sondern um möglichst viel abgeben zu können. Denn wer in einem solchen Beruf zwischen 10% und 50% seines Einkommens spendet, kann mehrere NGO-Vollzeitstellen schaffen, die sonst gar nicht erst existiert hätten.

Auch wenn man so nicht unmittelbar hilft, ermöglicht man die Arbeit vieler anderer, die sich für die Minderung des Leids in der Welt einsetzen. So vervielfacht man seine Wirkung. Ein solcher Beitrag ist häufig unersetzlich: In der Bank beispielsweise würde an der eigenen Stelle wohl niemand arbeiten, der ähnlich hohe Beträge spendet oder sie genauso gezielt einsetzt.

Da manche lukrative Stellen ihrerseits direkte Schäden verursachen, sollte man auch diese Wahl nicht leichtfertig treffen. Jobs im Bereich der Waffenentwicklung beispielsweise sollte man pauschal ablehnen. Stellen in der Finanzbranche sollte man differenzierter betrachten: Banken z.B. erbringen zahlreiche volkswirtschaftlich bedeutsame Leistungen, sodass mögliche Schäden stark von der spezifischen Stelle abhängen: Wird Leid verursacht und in welchem Ausmaß? In welchem Verhältnis steht es zu den Schäden, die das gespendete Geld abwenden könnte? Konkrete Empfehlungen bedürfen oft einer Einzelfallanalyse.

Weitere Argumente rund um das professionelle Spenden enthalten die FAQ-Punkte 7, 8, 10, und 13.

Diese Auflistung ist selbstredend höchst skizzenhaft und unvollständig. Die Organisation 80,000 Hours hat viele weiterführende Materialien zusammengestellt und aufbereitet. Weitere Überlegungen finden Sie auch in unserem Blogpost zur ethischen Berufswahl.

Das EAS-Netzwerk, steht allen offen, die interessiert sind, mindestens 10% ihres Einkommens zu spenden und berufliche Entscheidungen insgesamt aus altruistischer Perspektive zu betrachten und zu optimieren. Im Rahmen des EAS-Netzwerks veranstalten wir Meetups und Workshops, tauschen Erfahrungen aus und koordinieren unsere Berufswege.


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14.–15. Oktober 2017

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