Warum spenden?

Michael Schmidt-Salomon stellte treffend fest: “Eine Menschheit, die das Atom spaltet und über Satelliten kommuniziert, muss die dafür erforderliche weltanschauliche Reife besitzen.” Wir sind im Begriffe, Bio-, Nano- und Computertechnologien zu entwickeln, die uns mit einer nie dagewesenen Macht ausstatten. Gleichzeitig ist unsere Ethik nach wie vor von traditionellen, oft religiös geprägten Dogmen und von steinzeitlichem Stammesdenken durchsetzt, das von einer unparteilichen Orientierung am Wohlbefinden aller stark abweicht. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass der ethische Fortschritt Gefahr läuft, vom technologischen überrumpelt zu werden. Isaac Asimovs Erkenntnis gilt mehr denn je: “The saddest aspect of life right now is that science gathers knowledge faster than society gathers wisdom.”

Die Stiftung für Effektiven Altruismus (EAS) existiert, um diesem gefährlichen Trend entgegenzuwirken und ihn – nach Möglichkeit – zu wenden. Ihr Arbeitsgebiet ist der Schnittbereich von Ethik und Wissenschaft: Sie geht die Ethik wissenschaftlich an – und engagiert sich für einen ethischen Gebrauch der technologischen Macht, den uns die Wissenschaft wohl oder übel verleiht. Diese Arbeit scheint uns wichtig und vernachlässigt genug, es wert zu sein, mit Zeit und Geld gefördert zu werden.

Konkretere Argumente für das effektiv-altruistische Spenden wurden in der praktischen Ethik entwickelt: Angenommen, Sie spazieren an einem Teich vorbei und bemerken, dass ein Kind im Begriffe ist, darin zu ertrinken. Weiter bemerken Sie, dass die (Nicht-)Rettung des Kindes von Ihrer Entscheidung abhängt: Sie können gefahrlos in den Teich waten und das Kind herausziehen. Die einzige Komplikation: Der 500 Franken teure Anzug, den Sie zufällig gerade tragen, wäre danach unbrauchbar –– Sie müssten ihn ersetzen, also 500 Franken aufwenden, die Sie ansonsten für zusätzlichen persönlichen Luxus ausgegeben hätten. “Opfern” Sie die 500 Franken und retten das Kind – oder nicht? Die meisten Menschen würden nicht zögern, das Kind zu retten. Dies drückt das humanistische Urteil aus, dass uns 500 Eigenluxus-Franken weniger wichtig sind als die Rettung eines Kindes. Wenn wir aber so urteilen, dann wäre es logisch widersprüchlich und irrational, in der Spendenfrage anders zu urteilen. Denn auch dort stellt sich die Frage, welches Gut wichtiger ist: das Verhindern von Leid und Tod anderer oder zusätzliche Geldbeträge für uns selbst, die wir zur Deckung unserer Grundbedürfnisse und zum Erhalt unserer Produktivität nicht brauchen. – Die Moralpsychologie hat gezeigt, dass unsere intuitiv-emotionale Spendenbereitschaft massiv abnimmt, wenn sich etwa eine Naturkatastrophe nicht in unserer Nähe ereignet. Dieses Entscheidverhalten hält einer kritischen Prüfung nicht stand, denn die Güter, zwischen denen entschieden wird, sind jeweils dieselben.

Wie die junge Subdisziplin der Berufswahlethik zeigt, gehört das professionelle Spenden – ”Earning to Give” – zu den Berufskarrieren, die an ethisch-gesellschaftlicher Wirkung nicht leicht zu überbieten sind: Statt direkt eine NGO-Stelle zu besetzen, die es ohnehin gegeben hätte, kann man mehrere NGO-Stellen finanzieren, die es ansonsten nicht gegeben hätte. Wer Spenden öffentlich macht, die Höhe und Effektivität der Beträge diskutiert und andere ermutigt, ebenfalls zu spenden, kann den Impact vervielfachen und zu einer neuen Spendenkultur beitragen.

Nicht zuletzt: Spenden wir 5-10% unseres Einkommens, gehören wir nach wie vor zum erlesenen Kreis der reichsten Menschen, die jemals auf diesem Planeten gelebt haben. Zudem legen psychologische Studien nahe, dass das Spenden eine Form der Geldausgabe ist, die auch die Spender/innen selbst glücklicher macht. Das Spenden scheint daher eine umfassend zielführende, d.h. rationale Entscheidung zu sein.

Die EAS ist als Spendenziel besonders attraktiv, wenn man sich für die folgenden Bereiche interessiert:

Effektive Politik / Priorisierung

Wo steht das meiste Leid auf dem Spiel? Welche Massnahmen bewirken am meisten? Was sagen die empirischen Daten?

Nachhaltigkeit und Klimawandel

Der Ernährungsbereich ermöglicht die vielleicht grösste Hebelwirkung, wird von der aktuellen Politik aber praktisch ignoriert.

Globale Armut

Studien legen nahe, dass gewisse Massnahmen 100-mal mehr Leben retten als andere. Sie sollten gefördert werden.

Tierleid

Zu jedem Zeitpunkt existieren über 20 Milliarden “Nutztiere”, die meisten leiden permanent – und sind viel schlechter geschützt als die 100 Millionen “Versuchstiere”. Das Tierleid wird aktuell grösstenteils ignoriert, trotz seiner enormen quantitativen Dimension.

Rationalität

Vermeidung von Denkfehlern, Verbesserung des individuellen und kollektiven Entscheidverhaltens – Online-Material, Workshops, Vorlesungsreihen, Schulcurricula.

Progressive Bioethik

Lockerung von Restriktionen, die kein Leid verhindern, aber viel Leid verursachen – etwa im Bereich der embryonalen Stammzellenforschung oder der PID

Globale Stabilität

Die aktuelle Politik ist – explizit oder implizit – oft nationalistisch ausgerichtet. Die Hinwirkung auf internationale Integration und Stabilität ist viel wichtiger.

Zukunftstechnologien

Die Menschheit ist im Begriffe, Bio-, Nano- und Computertechnologien zu entwickeln, die uns mit einer nie dagewesenen Macht ausstatten. Viele Experten gehen davon aus, dass Computer noch in diesem Jahrhundert die menschliche Intelligenz in allen Bereichen übersteigen werden. Was dann geschieht, könnte Einfluss auf alle zukünftigen Generationen haben – gegenüber ihrer Grössenordnung verblasst die gegenwärtige Generation.

Effektives Spenden

Information über die ethische Wichtigkeit des Spendens (etwa gegenüber dem Konsum) sowie die Wichtigkeit ethischer Effektivitätsanalyse und Priorisierung.

Movement Building

Aufbau einer gesellschaftlich-politischen Bewegung von Aktivisten/innen, professionellen Spendern/innen und Forschern/innen, die sich für die obigen Themen interessieren.


Insbesondere in den Bereichen Armut, Bioethik und Zukunftstechnologien können Spenden an die EAS (“nicht zweckgebunden”) kurz- und mittelfristig politische Positionspapiere und Projekte im Sentience-Stil ermöglichen.

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