Das vergangene Jahr war sehr ergebnisreich: Wir haben rund 3 Millionen Euro für effektive NGOs gesammelt, eine nationale Volksinitiative in der Schweiz vorbereitet, mit Sentience Politics und dem Sentience Institute zwei Spin-Offs erfolgreich ausgegliedert, ein Forschungsprojekt zu Wildtierleid gestartet, ein Positionspapier zu evidenzbasierter Entwicklungszusammenarbeit veröffentlicht, zahlreiche Workshops, Seminare und eine große Konferenz durchgeführt und mehrere Forschungsarbeiten publiziert.

In diesem Beitrag lassen wir das vergangene Jahr Revue passieren: Wir zeigen die größten Erfolge und reflektieren kritisch über unsere größten Fehler und die gelernten Lektionen. Damit stärken wir die Lernprozesse der EAS und geben unseren Unterstützer/innen einen transparenten Einblick in unsere Arbeit. Bei Feedback und Fragen freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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Strategische Ausrichtung und Vision

Nach dem Wechsel des Präsidiums Ende 2016 hatten wir in unserem Ausblick für 2017 angekündigt, unsere bisherige Strategie kritisch zu evaluieren und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Bei dieser Evaluierung sind wir zum Schluss gekommen, dass wir in einigen Bereichen zu schnell und ohne angemesse langfristige Planung gewachsen sind. Diesen desorganisierten Expansionskurs haben wir im vergangenen Jahr korrigiert: 2016 sind wir von rund 12,5 auf 25 Vollzeitstellen gewachsen, mittlerweile sind es wieder 18,5. Die Hälfte des Rückgangs der Vollzeitstellen hängt mit der Ausgliederung von Sentience Politics zusammen (mehr dazu unten). Für das kommende Jahr haben wir 14-19 Vollzeitstellen eingeplant (siehe Unsere Pläne für 2018), d. h. es ist erneut eine leichte Reduktion zu erwarten.

Trotz der Reduktion der Vollzeitstellen konnten wir im vergangenen Jahr Ergebnisse in gleichem Umfang wie im Vorjahr erzielen: Ein kleineres Team ermöglicht effizientere Koordination und Kommunikation. Die Projekte sind zudem weniger verzettelt und fokussieren stärker auf ihre Hauptziele. Außerdem sind sie seit dem Wechsel des Präsidiums weniger stark zentral gesteuert und damit deutlich agiler: Entscheidungen können wesentlich schneller getroffen werden, was zusätzliche Ressourcen freisetzt.

Im Rahmen dieses Evaluierungsprozesses haben wir uns zudem entschieden, uns nicht mehr als „Denkfabrik“, sondern nur noch als „Projektschmiede“ zu verstehen: Die EAS startet und finanziert verschiedene Projekte, die einen Beitrag zu unserer Vision leisten. Wir könnten auch weiterhin Positionspapiere verfassen, wenn sich entsprechend gute Gelegenheiten ergeben, gehen aber davon aus, dass dies nicht oft der Fall sein wird.

Damit zusammenhängend haben wir unsere Vision geschärft und neu formuliert:

Die EAS strebt eine Welt ohne extremes Leid an: ein leidfreies, erfülltes Leben für alle empfindungsfähigen Lebewesen. Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Vermeidung dystopischer Zukunftsszenarien.

Meilensteine in der Projektarbeit

Community

Wir haben die bisherigen Aktivitäten unseres Outreach-Projekts auf die beiden Bereiche „Community“ und „Philanthropie“ aufgeteilt.

  • effektiveraltruismus.de: Mit der Publikation einer deutschen EA-Website haben wir im Sommer eine Lücke geschlossen: Bisher gab es abgesehen von der EAS-Website keine deutschsprachige Online-Einführung in die Kernkonzepte des Effektiven Altruismus. Die neue Seite stellt eine leicht verständliche Einführung dar und enthält zudem Links zu weiterführenden Ressourcen. Neben Informationen für EA-Lokalgruppen und einer Einführung zur ethischen Berufswahl bietet die Seite außerdem die Möglichkeit, steuerbefreit an über 30 EA-Organisationen zu spenden.
  • EAGxBerlin: Im Herbst organisierten wir zum zweiten Mal EAGxBerlin, die größte EA-Konferenz Kontinentaleuropas. 350 EAs und EA-Interessierte nahmen an der zweitägigen Konferenz teil. Im Vergleich zum vorherigen Jahr konnten wir die Qualität der Veranstaltung deutlich verbessern. Entsprechend erhielten wir auch positivere Rückmeldungen erhalten.
  • Unterstützung von Lokalgruppen:
    • Einführungsvorträge: Für das aktuelle Wintersemester haben wir allen Lokalgruppen angeboten, Referierende für EA-Einführungsvorträge zu vermitteln und die Kosten dafür zu übernehmen. Von diesem Angebot haben knapp ein Dutzend Lokalgruppen Gebrauch gemacht.
    • Ressourcen für Lokalgruppen: Wir haben Lokalgruppen gefragt, welche Ressourcen und Unterstützung sie sich wünschen und basierend darauf unsere Ressourcen überarbeitet sowie eine neue Übersichtsseite erstellt.
    • Lokalgruppentreffen: An zwei Treffen im Mai und Oktober (zwei- bzw. eintägig) haben wir uns mit Leitern/innen intensiv über die Ziele und Strategien für EA-Lokalgruppen ausgetauscht sowie die Vernetzung und Kommunikation zwischen den Lokalgruppen und der EAS verbessert.
    • Zusammenarbeit mit anderen EA-Organisationen: Wir haben die Zusammenarbeit mit dem Center for Effective Altruism (CEA) sowie mit dem Local Effective Altruism Network (LEAN) in diesem Bereich gestärkt und im EA-Forum angekündigt.
  • Weitere Veranstaltungen:
    • Studienstiftungsseminar: Stefan Torges, Max Daniel, Alfredo Parra und Jonas Vollmer leiteten Workshops im Rahmen des Seminars „Effektiver Altruismus“ der Studienstiftung des deutschen Volkes mit über 120 Teilnehmenden.
    • TEDx-Vortrag: Stefan Torges hielt in Frankfurt einen TEDx-Vortrag über den Effektiven Altruismus, der in wenigen Wochen online verfügbar sein wird.
    • WRAI 2017: Die EAS unterstützte den von MIRIxZürich organisierten Workshop on Reliable A rtificial Intelligence 2017 finanziell und inhaltlich.
  • Medien: Auch 2017 informierten wir in den größten und renommiertesten nationalen Medien über den Effektiven Altruismus (Deutschlandfunk Kultur, SRF 2 Kultur, SRF 1, Spiegel Online).

Philanthropie (inkl. Raising for Effective Giving)

Im Bereich „Philanthropie“ fassen wir alle Fundraising-Aktivitäten zusammen, d. h. neben Raising for Effective Giving (REG) auch die Steuerbefreiung von EA-Organisationen sowie die Beratung von Großspendern/innen.
Großspenderinnen und Großspender

  • Beratung von Großspendern/innen: Im Verlaufe des Jahres haben wir verschiedene Beratungsgespräche geführt, die 2018 voraussichtlich zu Spenden in der Höhe von rund 10-20 Millionen Euro an effektive Hilfsorganisationen führen werden.

Raising for Effective Giving

  • Fundraising: Aktuell stehen wir bei etwas über einer Million US-Dollar, die 2017 über REG gespendet wurden; dazu kommt eine laufende Matching Challenge, die voraussichtlich zu Spenden in Höhe von zusätzlich bis zu 2 Millionen US-Dollar führen wird.
    • Liv Boeree und Igor Kurganov WSOP Tag Team Event: Die beiden Mitgründer/innen von REG haben als Paar bei der diesjährigen World Series of Poker (WSOP) ein Team-Turnier gewonnen; sie spendeten die Hälfte des Gewinns von 273 964 US-Dollar.
    • Ben Pollak WSOP Final Table: Seit der Gründung von REG 2014 war jedes Jahr ein Vertreter am Final Table der WSOP. Dieses Jahr saßen wie 2014 sogar zwei Spieler mit dem REG-Patch am Tisch: Ben Pollak und Jack Sinclair. Jack Sinclair beendete die Weltmeisterschaft auf dem 8. Rang, Ben Pollak wurde 3. und spendete 105 000 US-Dollar seines Gewinns.
  • Partnerschaften mit den zwei größten Online-Poker-Websites:
    • PokerStars: Im Rahmen einer Kooperation mit REG bei den zwei größten PokerStars-Online-Events (SCOOP & WCOOP) spendete PokerStars ca. 230 000 US-Dollar an MIRI und FHI. Im Januar werden wir zusammen mit PokerStars ein Wohltätigkeitsturnier auf den Bahamas organisieren.
    • 888poker: Bei ihren größten Online-Events spendete 888poker dieses Jahr insgesamt 90 000 US-Dollar an von GiveWell empfohlene Organisationen. Für den nächsten Event im Januar wurde ebenfalls bereits eine Spende zugesagt.
  • REG-Botschafter/innen: Wir konnten zehn große Namen der Pokerszene als offizielle REG-Botschafter/innen gewinnen.
  • Neue Website: Seit Mitte des Jahres haben wir eine neue Webpräsenz.

Steuerbefreiung

  • Steuerbefreites Spenden an internationale EA-Organisationen: Seit Anfang des Jahres ist die EAS als steuerbefreite Organisation in Deutschland anerkannt, was den Spendenprozess vereinfacht. Mittlerweile ermöglichen wir steuerbefreite Spenden an EA-Organisationen aus fünf Ländern: der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. 2017 konnten wir zusätzlich zum Fundraising mit REG über eine Million US-Dollar an effektiven Spenden von den Steuern befreien – mehr als je zuvor. Etwa 90 Prozent dieser Spenden gingen an Organisationen im Bereich der Armutsbekämpfung, etwa 5 Prozent an Tier- und Umweltschutzorganisationen, und etwa 5 Prozent an Forschungsinstitute im Bereich der KI-Sicherheit und Meta-Hilfsprojekte. Wir vermuten, dass diese Steuerersparnisse 2017 zu zusätzlichen Spenden im Bereich von mehr als 100 000 US-Dollar geführt haben.
  • Effizientere Spendenverarbeitung: Der Spendenprozess konnte zudem durch die Entwicklung eines neuen IT-Systems deutlich verbessert werden – sowohl hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit für Spender/innen als auch der effizienten Verarbeitung von Spenden unsererseits.

Foundational Research Institute

  • S-Risks: Im vergangenen Jahr entwickelten und präsentierten wir das Konzept von „Suffering Risks“ oder S-Risks. Dies sind dystopische Zukunftsszenarien, in denen große Mengen von Leid entstehen. Die Entwicklung folgenreicher Zukunftstechnologien könnte ein solches S-Risk darstellen. Wir argumentieren, dass der Prävention dieser Risiken insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz ethische Priorität zukommen sollte. Ein Vortrag von Max Daniel bei der EAG-Konferenz in Boston wurde in der EA-Bewegung intensiv diskutiert. Seither werden S-Risks und deren potenzielle Implikationen teils in der Arbeit anderer Organisationen berücksichtigt. In der Forschungsagenda des neu gegründeten Global Priorities Institute an der Universität Oxford wurden unsere Publikationen zur Thematik aufgenommen und Forschungsprojekte dazu angekündigt.
  • Verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Sichtbarkeit unserer Ideen: Wir haben im vergangenen Jahr den Austausch mit Organisationen verstärkt, die an ähnlichen Themen arbeiten. Unter anderem haben wir das FHI besucht und dort verschiedene Forschungsergebnisse präsentiert und diskutiert. Auch im Intelligent-Agent-Foundations-Forum präsentierten wir Ergebnisse unserer Arbeit, um sie anderen Forschenden zugänglich zu machen und kritisches Feedback einzuholen.
    • Existential-Risk-Workshop in Göteborg: Kaj Sotala nahm für das FRI an einem Existential-Risk-Workshop teil und präsentierte unsere Erkenntnisse vor zahlreichen Forschern/innen.
    • MIRIx-Workshop in Zürich: Max Daniel nahm am MIRIx-Workshop on Reliable AI 2017 teil und hielt dort einen Vortrag zur AI Safety Landscape.
    • Weitere Vorträge: Neben dem S-Risks-Vortrag von Max Daniel referierten Caspar Oesterheld und Johannes Treutlein bei EAG- und EAGx-Konferenzen über Probleme in der Entscheidungstheorie und deren Relevanz für die EA-Forschung, und Max Daniel debattierte mit dem Ökonomen Robin Hanson darüber, wie Fortschritte in der KI-Technologieentwicklung die Welt verändern werden.
  • Publikationen:
    • Rapid AGI development: Kaj Sotalas Artikel How feasible is the rapid development of artificial superintelligence? wurde im Journal Physica Scripta publiziert und als „Paper of the week“ ausgezeichnet.
    • Disjunctive Scenarios of Catastrophic AI Risk: Kaj Sotala schrieb ein Kapitel für das Buch AI Safety and Security, das von Roman Yampolskiy herausgegeben und 2018 veröffentlicht wird.
    • Tranquilism: Lukas Gloor publizierte einen Artikel über den ethischen Wert subjektiver Erfahrungen. Er begründet darin, weshalb die Reduktion von Leid Vorrang gegenüber dem Erschaffen von Glück erhalten sollte. Der Artikel soll die Grundlage für kommende akademische Publikationen liefern.
    • Superrationality: Caspar Oesterheld veröffentlichte einen umfangreichen Artikel über Multiverse-Wide Cooperation via Correlated Decision Making (MSR). Lukas Gloor publizierte außerdem eine Einführung zur Idee auf dem FRI-Blog und im EA-Forum.
    • Persönliche Websites: Verschiedene FRI-Forscher veröffentlichten zudem auf ihren persönlichen Websites (Tobias Baumann über Priorisierung und S-Risks, Caspar Oesterheld und Johannes Treutlein über Entscheidungstheorie, Brian Tomasik über Leidminderung) und auf dem neu gestarteten FRI-Blog regelmäßig kürzere Artikel zu Fragen, die (noch) nicht für das Essay- oder Paper-Format geeignet sind.

Sentience Politics, Sentience Institute und Wild-Animal Suffering Research

Ausgliederung von Sentience Politics und Sentience Institute
Anfang des Jahres entschieden wir uns, die Internationalisierung von Sentience Politics der zweiten Hälfte von 2016 rückgängig zu machen. Dies bedeutete insbesondere einen Fokus auf die beiden Kernaktivitäten und Stärken des Projekts: politische Initiativen und Kampagnen in der Schweiz sowie Forschung zu Strategien für erfolgreichen Tierrechtsaktivismus. Im Juni kündigten wir entsprechend an, dass Sentience Politics als zwei unabhängige und eigenständige Projekte weitergeführt wird:

Sentience Politics: Sentience Politics (SP) wurde 2014 mit dem Slogan „Politik für alle empfindungsfähigen Lebewesen“ als EAS-Projekt gestartet. In den drei Jahren starteten wir zwei Kampagnen und fünf Initiativen zum Wohle aller empfindungsfähigen Lebewesen. Bereits bei der Gründung war das Durchführen einer nationalen Volksinitiative ein langfristiges Ziel. Mit dem Start der Kampagne für die Initiative zur Abschaffung der Massentierhaltung (Massentierhaltungsinitiative) war damit ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Projektes erreicht, der auch gleichzeitig die Ausgliederung erforderte. Jonas Vollmer und Tobias Pulver sind weiterhin ehrenamtlich bei SP als Vorstandsmitglieder tätig, und die EAS unterstützt SP zudem in der Administration, im Fundraising und bei rechtlichen Fragen.

Im November dieses Jahrs führte das Projekt eine Kampagne für die Vegan-Initiative in Zürich durch und durfte den ersten großen Abstimmungserfolg verbuchen: 60 Prozent der Stimmbevölkerung befürworteten die Förderung umweltfreundlicher (und damit tierfreundlicher) Ernährung durch die Stadt Zürich. Die Unterschriftensammlung für die Massentierhaltungsinitiative wird im Frühling 2018 beginnen.

Sentience Institute: Der auf Forschung im Bereich „Effective Animal Advocacy“ ausgerichtete internationale Arm von Sentience Politics wurde unter dem Namen Sentience Institute (SI) von Kelly Witwicki und Jacy Reese ebenfalls als eigenständige Organisation weitergeführt. Um einen erfolgreichen Start zu garantieren, hat die EAS das SI mit einer Zuwendung von 60 000 US-Dollar unterstützt. Das SI publizierte u. a. eine Umfrage über die Ansichten unter Führungspersonen bei effektiven Tierrechtsorganisationen, eine detaillierte Umfrage über die Einstellung der US-Bevölkerung zur Massentierhaltung und zu Fleischalternativen und eine Fallstudie mit Lektionen über soziale Bewegungen aus der britischen Antisklaverei-Bewegung.

Wild-Animal Suffering Research (WASR)

  • Hintergrund: Bis zur Ausgliederung von Sentience Politics war Forschung zum Leid von Wildtieren Teil von Sentience Politics. Auch nach der Ausgliederung wird Wildtierleid-Forschung weiterhin innerhalb der EAS durchgeführt. Das WASR-Projekt hat seit diesem Sommer eine eigene Website und agiert innerhalb der EAS sehr selbständig, sowohl hinsichtlich Planung als auch Finanzierung.
  • Ziel: Das WASR-Team forscht multidisziplinär in den Bereichen Ökologie, Biologie und Wirtschaft. Durch diese Forschung sollen Policy-Vorschläge identifiziert werden, die Wildtierleid reduzieren.
  • Publikationen: In den letzten sechs Monaten wurden fünf Papers publiziert, Forschungsagendas erarbeitet und ein Blog mit Projektupdates und Artikeln zu wichtigen Konzepten gestartet.
  • Outreach: Persis Eskander sprach bei EAG London und EAGxBerlin über den Aufbau einer Bewegung rund um das Thema Wildtierleid und präsentierte bei EAG London zudem ihr Paper „Assessing Humanity’s Impact on Wild-Animal Suffering (WAS) through Human Appropriation of Net Primary Productivity (HANPP)“. Ozy Brennan nahm am „2017 Research Workshop on Effective Animal Advocacy“ teil, der von Animal Charity Evaluators organisiert wurde.

Weitere Highlights

  • Publikation EZ-Positionspapier: Unser Positionspapier zu evidenzbasierter Entwicklungszusammenarbeit (EZ) wurde von Führungskräften der Entwicklungsagenturen in Deutschland und der Schweiz gelesen und führte zudem zu einem Austausch mit Führungskräften der größten Schweizer Hilfsorganisationen, die einen Großteil der bilateralen EZ-Gelder der Schweiz erhalten.
  • Vision und Strategie: Mithilfe von Arbeitsgruppen, Strategieplänen und Team-Retreats gelang es uns, innerhalb des EAS-Teams ein stärkeres gemeinsames, detailliertes Verständnis unserer Ziele und Prioritäten zu erreichen, sodass alle Teammitglieder autonomer handeln und mehr Verantwortung übernehmen können.

Unsere Fehler im vergangenen Jahr

Jede Non-Profit-Organisation macht Fehler – die allermeisten sind jedoch nicht transparent und kommunizieren nicht offen über ihre Fehler und Lernprozesse. Die EAS ist bestrebt, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen und offen über Stärken und Schwächen zu sprechen – und aus ihren Fehlern zu lernen. Dazu gehört auch, die gemachten Fehler öffentlich zu anerkennen und zu kommunizieren. Im Folgenden zeigen wir eine Zusammenstellung der wichtigsten Fehler und Lösungen, die wir im Laufe des vergangenen Jahres identifiziert haben.

  • Strategische Planung: Ein erster Versuch der Strategieplanung Anfang 2017 scheiterte in weiten Teilen, da der gewählte Ansatz zu umfassend und zu wenig flexibel, und die verantwortlichen Teammitglieder rückblickend unrealistische und nicht ausreichend pragmatische Erwartungen hatten. Gleichzeitig wurden zu wenige Meetings zur Klärung zentraler strategischer Fragen organisiert. Ende 2017 starteten wir basierend auf dieser Erfahrung einen zweiten, iterativen Prozess mit kleineren Zwischenzielen und mehr Brainstorming- und Diskussionsmeetings, der noch läuft und bisher bessere Resultate verspricht.
  • Ausgliederung von Sentience Politics: Obwohl wir mit dem Ergebnis – der Ausgliederung in zwei unabhängige Projekte – sehr zufrieden sind, ließ der Prozess viel zu wünschen übrig. Die Ausgliederung kam erst nach langen Perioden großer Unsicherheit für beide Seiten zustande, und die Gespräche waren unnötig zeitintensiv und für alle Seiten anstrengend. In Zukunft werden wir bereits im Voraus noch klarere Verantwortlichkeiten und Ziele definieren, sodass die Gespräche nach einem kürzeren Zeitraum zum Abschluss kommen können.
  • Kommunikation der EAS-Strategie: Wir kommunizierten 2017 zu wenig aktiv, welche Strategie und Prioritäten die EAS verfolgt und welche Projekte ihr angehören. Obwohl wir im Juli beispielsweise einen „Strategieplan Outreach“ fertigstellten und auf unserer Transparenz-Seite verlinkten, versäumten wir es, dieses Dokument an unsere Unterstützer/innen zu kommunizieren. Bei EAG-Konferenzen stellten wir außerdem fest, dass vielen nicht bewusst war, welche Projekte zur EAS gehören und weshalb wir sie führen. Wir werden im kommenden Jahr vermehrt unsere strategischen Überlegungen kommunizieren, beginnend mit dem vorliegenden Jahresrückblick und einem ausführlichen Artikel über unsere Pläne für 2018, der auch auf dem EA-Forum geteilt wird, um kritisches Feedback von der internationalen EA-Community einzuholen. Darüber hinaus planen wir, weitere EA-Forum-Beiträge und Strategiepläne zu veröffentlichen und in unseren regelmäßigen Updates an unsere Unterstützer/innen nicht nur die Aktivitäten und Pläne, sondern auch die zugrundeliegenden Überlegungen und Priorisierungsfragen zu kommunizieren.
  • EZ-Positionspapier: Das EZ-Positionspapier wurde erst für 2016 und im Dezember 2016 dann für das erste Quartal 2017 angekündigt – publiziert wurde das Papier schließlich im zweiten Quartal 2017. Wir haben daraus gelernt, weniger zusätzliche Nebenprojekte in Angriff zu nehmen, die nicht klar in die Strategie der existierenden Projekte passen – selbst dann, wenn diese Gelegenheiten besonders vielversprechend sind.
  • REG-Strategie: Wir hätten bereits früher zum Ergebnis kommen können, dass sich das bisherige REG-Modell nur schwer auf ähnliche Art und Weise in anderen Industrien anwenden lässt, und uns stattdessen auf neue Ideen fokussieren sollen. Wir denken, dass dafür bereits einige Monate vor der eigentlichen Entscheidung genügend Datenpunkte vorhanden waren.
  • FRI-Befragung: In der ersten Jahreshälfte wurde unter FRI-Forschenden eine Befragung zu grundlegenden strategischen Fragen durchgeführt, um die Priorisierung der EAS zu informieren. Diese Befragung war sehr umfangreich und erforderte einen großen Zeitaufwand, sodass deren Nutzen nicht in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten stand. Dennoch waren die Ergebnisse nützlich und das FRI wird in Zukunft voraussichtlich weitere, weniger umfangreiche Befragungen durchführen.
  • Praktika: In der ersten Hälfte des Jahres stellten wir mehrere Praktikanten/innen an, die wir mangels Management-Ressourcen nicht hinreichend betreuen konnten. Als Konsequenz boten wir in der zweiten Jahreshälfte deutlich weniger Praktika an und konzentrierten uns stärker auf die Weiterentwicklung unserer Kernaktivitäten. Diesen Ansatz werden wir auch 2018 weiterverfolgen.
  • Finanzplanung: Aufgrund der hohen Komplexität unserer Finanzen (vier Währungen, Steuerbefreiung in fünf Ländern, großes Spendenvolumen und hohe Unterstützungsbeiträge an andere EA-Organisationen) wurden im Juli 2017 die Eigenmittel der EAS zu hoch eingeschätzt, was zu einer übermäßig optimistischen Finanzplanung führte. Wir haben den Fehler im August korrigiert und unsere Planungssyteme inzwischen dauerhaft verbessert.
  • IT-Eigenlösung: Wir hatten im Herbst 2016 eine IT-Eigenlösung für ein Customer-Relationship-Management-System (CRM) in Auftrag gegeben, die wir im Frühling 2017 wieder verwarfen. Dies führte zu Zeitverlust und finanziellen Kosten. Bei der ursprünglichen Evaluierung verschiedener Optionen hatten wir zu viel Gewicht auf einige idiosynkratische Funktionalitäten gelegt und uns deshalb gegen bestehende Lösungen entschieden. Mittlerweile haben wir mit Pipedrive eine bestehende Lösung gefunden, die unsere Bedürfnisse gut abdeckt.
  • Neue Büroräumlichkeiten: Für unser neues Büro zogen wir anfangs einen zu teuren Vorschlag zur Innenausgestaltung des Büros in Betracht, der nach Einbezug weiterer Personen verworfen wurde.

Wir haben unsere Fehler des vergangenen Jahres mit den beteiligten Personen eingehend besprochen und konkrete Maßnahmen getroffen, um sie in Zukunft vermeiden zu können. Zusätzlich zu den bereits aufgeführten Lösungen haben wir neue Entscheidungsrichtlinien erarbeitet und umgesetzt, einige Rollen und Verantwortlichkeiten neu verteilt und einen Evaluierungsprozess entwickelt, der 2018 erstmals zur Anwendung kommen wird.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Übersicht einen hilfreichen Einblick in unsere Fehler und Lektionen bieten konnten. Die EAS wird auch in Zukunft bezüglich Transparenz eine Pionierrolle einnehmen. Bei Inputs und kritischem Feedback freuen wir uns sehr über Ihre Kontaktaufnahme – gerne auch anonym!

Wie geht es nun weiter? Die Zukunftspläne der EAS präsentieren wir im folgenden Beitrag:

Weiterlesen: Unsere Pläne für 2018


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